Box Office Around the World
Berlin [ENA] Zum vierten Mal wird der Schlüterhof zum Ausgangspunkt für Kinoreisen rund um die Welt: Die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss zeigt populäre Filme aus sechs Ländern, die nicht nur von Menschen aus den jeweiligen Communities sehnsüchtig erwartet werden.
Aktuelle Produktionen, die in ihren Herkunftsländern für Aufsehen, hitzige Debatten, Entzücken, Überraschungen und Kassenrekorde gesorgt haben. Vor den Screenings sorgen thematische Film Talks mit prominenten Gästen für eine unterhaltsame Einführung: Persönliche Geschichten, spannende Hintergründe und kulturelle Einblicke stimmen auf das Leinwandgeschehen ein. Die Filmkuratorin Dorothee Wenner hat gemeinsam mit Vertreter*innen aus Berliner Communities das Programm zusammengestellt: „Die internationale Kinolandschaft ändert sich gerade rasant, nicht zuletzt durch die Streaming-Plattformen gibt es heute eine quasi unendliche Verfügbarkeit von Filmen.
Wir haben gemeinsam Filme ausgesucht, die aus der Menge herausragen - nicht nur durch ihren kommerziellen Erfolg. Ob ein Film beim Publikum gut ankommt, lässt sich während der Produktion nur bedingt planen und voraussagen - es bleibt immer ein Rest ‚Geheimnis‘, das sich erst nach dem Kinostart ergründen lässt. Genau das Geheimnis interessiert uns - und steht im Mittelpunkt unseres Festivals.“ An zwei Wochenenden im August wird der Schlüterhof des Humboldt Forums mit diesem Filmfestival, sommerlichen Drinks und Snacks zum Treffpunkt für Communities und filmbegeisterte Berliner*innen aus aller Welt. Die Filme werden auf der großen Kinoleinwand, in Originalsprache mit englischen Untertiteln gezeigt.
Programm
Gohan (Thailand 2026, 141 Min., Thai mit engl. Untertiteln). 7. August, 20 Uhr: Gespräch mit Jenisa Pungsaeng (Thailändische Influencerin aus Berlin) und Dorothee Wenner (Moderation) mit Gohan Look-Alike-Contest und „Sternstunden mit Hunden!“ auf Deutsch und Thai. 21 Uhr: Filmvorführung. Regie: Chayanop Boonprakob, Atta Hemwadee, Baz Poonpiriya. Die Lebensgeschichte eines Hundes hat Thailands Publikum dermaßen bezirzt, dass GOHAN zum Kassenschlager des Jahres wurde - und sein Darsteller im Erwachsenenalter zum Tik-Tok-Star avancierte.
Als verwaistes weißes Wollknäuel mit rosa Nase taucht Gohan vor einem Supermarkt auf und tritt eine Reise durch mehrere Menschenleben an: Es wird von einem einsamen japanischen Manager aufgenommen, später von einer mutigen burmesischen Migrantin aus den Fängen eines Tierquälers gerettet und schließlich von einem jungen Künstlerpaar adoptiert. In drei stilistisch unterschiedlichen Episoden erzählen drei thailändische Regisseure von den Menschen, deren Leben der kluge Vierbeiner berührt und verändert. Was die Geschichten verbindet, ist die Frage, welche erstaunliche Wirkung Hunde auf Menschen haben können – ein Film zum Lachen und Weinen.
Oversabi Aunty (Nigeria 2025, 129 Min., Englisch und Yoruba mit engl. Untertiteln). 8. August, 20 Uhr: Gespräch mit Toyin Abraham (Regisseurin und Hauptdarstellerin), Yemi Daramola (Co-Kurator/Berater für Filmvertrieb), Olachi Opara (Co-Kuratorin/Nigerian Community in Berlin) und Dorothee Wenner (Moderation) auf Englisch. 21 Uhr: Filmvorführung, Regie: Toyin Abraham. Toun ist eine Dame mit felsenfesten Grundsätzen. Die Yoruba-Frau arbeitet als Kirchendienerin, ist mit einem Igbo verheiratet und hält ihre vierköpfige Familie resolut auf Trab. Doch ausgerechnet bei einer Hochzeit gerät ihr straffes Regiment ins Wanken – und löst in der riesigen Familie ein gewaltiges Chaos aus.
In ihrer ersten Arbeit als Hauptdarstellerin, Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin erzählt Toyin Abraham in dieser Komödie von einem Familienkonflikt auf dem schmalen Grat zwischen Glauben, religiöser Heuchelei und blindem Fanatismus. Die ebenso komische wie dramatische Auseinandersetzung mit Tribalismus und Generationskonflikten wurde weit über Nigeria hinaus ein Riesenerfolg. Mesdames Thanh Sac (Vietnam 2026, 124 Min., Vietnamesisch mit engl. Untertiteln), 9. August 2026. 20 Uhr: Gespräch mit Hong Quang Truong (Co-Kurator), Gast (tbc) und Dorothee Wenner (Moderation) auf Deutsch und Vietnamesisch.
21 Uhr: Filmvorführung Regie: Vu Duc Thang
Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt der Film von einem Eifersuchtsdrama im schillernden Nachtleben Saigons der 1960er Jahre. Im Mittelpunkt stehen zwei prominente Damen aus der High Society: die Tänzerin Cam Thanh und Madame Sac, die reiche Besitzerin einer sagenhaften Diamantenkollektion und des legendären Kim Do Nachtclubs. In dem luxuriösen Treffpunkt der Saigoner Unterwelt steigt Cam Thanh in der Gunst des Publikums zur gefeiertsten Tänzerin der Stadt auf. Als sie sich aus der Abhängigkeit ihrer dominanten Förderin befreien will, eskaliert die Rivalität zwischen den beiden Frauen.
Allein die Ausstattung macht diesen Film zu einer aufsehenerregenden Besonderheit im vietnamesischen Kino - doch die elegante Rekonstruktion des Saigoner Nachtlebens jener Jahre wird auch durch ihre Anspielungen auf die Gegenwart sehenswert. Batwara 1947 (Indien 2026, Hindi mit engl. Untertiteln) 14. August 2026, 20 Uhr: „Wer Lahore nicht gesehen hat, hat nicht gelebt“: Performance mit Tom Luther (Co-Kurator), Masalakraut und Dorothee Wenner (Moderation) auf Englisch. 21 Uhr: Filmvorführung, Regie: Rajkumar Santoshi. Kaum ein indischer Film des Jahres wird mit so großer Spannung erwartet wie Batwara 1947 . Das Humboldt Forum präsentiert die Produktion zeitgleich zur Weltpremiere.
Der historische Spielfilm mit Bollywood-Superstars Sunny Deol, Preity Zinta und Shabana Azmi erzählt von den Folgen der Teilung Indiens im Jahr 1947. Im Zentrum steht eine muslimische Familie, die aus Lucknow nach Lahore flieht und das Anwesen einer vertriebenen hinduistischen Familie zugewiesen bekommt. Dort lebt jedoch noch Mai, die darauf beharrt, dass das Haus ihr gehört. Aus dem konfliktreichen Zusammenleben entsteht eine berührende Geschichte über Verlust, Vertreibung und die Möglichkeit von Versöhnung. Das Drehbuch basiert auf Asghar Wajahats in Pakistan verbotenem Theaterstück Jis Lahore Nai Vekhya, O Jamya E Nai ( Wer Lahore nicht gesehen hat, hat nicht gelebt).
Nuestra Tierra (Argentinien, 2025, 122 Min. Spanisch mit engl. Untertiteln) 15. August, 20 Uhr: Gespräch mit Toyin Abraham (Regisseurin und Hauptdarstellerin), Yemi Daramola (Co-Kurator/Berater für Filmvertrieb), Olachi Opara (Co-Kuratorin/Nigerian Community in Berlin) und Dorothee Wenner (Moderation) auf Englisch. 21 Uhr: Filmvorführung, Regie: Toyin Abraham. Der Mörder von Javier Chocobar trug außer der Pistole eine Kamera bei sich, als er im Oktober 2009 den Angehörigen der indigenen Chuschagasta-Community tötete und zwei weitere Männer schwer verletzte. Das Video war auf Youtube zu sehen – und erst neun Jahre später im Gerichtssaal. So lange wurde der Prozess gegen die Killer – ein Großgrundbesitzer und zwei Ex-Polizisten – hinausge.
Lucrecia Martel unternimmt in ihrem Dokumentarfilm eine Zeitreise zu den kolonialen Wurzeln des Verbrechens bis in die Gegenwart. Auf Basis jahrelanger Recherchen zeichnet der Film den Kampf um Gerechtigkeit nach. Dabei macht er sichtbar, wie indigene Menschen entrechtet werden – und welche Spuren der Mord in der Community hinterlässt. Entstanden ist ein hochaktueller, eindringlicher Thriller der derzeit nicht nur in Argentinien für enormes Aufsehen sorgt. Velhos Bandidos (Brasilien, 94 Min., Portugiesisch mit engl. Untertiteln), 16. August 2026. 20 Uhr: Gespräch mit Leonardo Barros (Produzent), Sidney Martins (Co-Kurator) & Dorothee Wenner (Moderation) auf Deutsch und Portugiesisch.
21 Uhr: Filmvorführung Regie: Cláudio Torres
Nancy arbeitet bei einer Kreuzschifffahrtgesellschaft und hat Zugriff auf die Daten von Passagier*innen: ideale Ausgangsbedingungen für Einbrüche in deren Abwesenheit! Als Nancy und ihr Kumpel Sid in Rodolfo und Martas Haus einsteigen, erleben sie jedoch eine Überraschung: Die beiden Pensionär*innen suchen Kompliz*innen für einen Banküberfall, den sie sorgfältig geplant haben. Schließlich hatte Rodolfo einst als Architekt die Bank entworfen …
„Heist-movies“ gelten derzeit als das populärste Genre, so war der Erfolg von Velhos Bandidos nicht überraschend, zumal der Regisseur Cláudio Torres für seinen Film Top-Stars des brasilianischen Kinos casten konnte. Fernanda Montenegro und Ary Fontoura brillieren als krimineller Hochadel, von dem ihr Counterduo Bruna Marquezine und Vladimir Brichta noch viel lernen kann. Laufzeit 7.-16. August 2026, Ort: Schlüterhof am Schlossplatz, 10178 Berlin Eintritt: 10 / 5 Euro. Programm: humboldtforum.org/box-office-around-the-world




















































