Mittwoch, 12.06.2024 16:10 Uhr

Der Palast der Republik ist Gegenwart

Verantwortlicher Autor: Stiftung Humboldt Forum Berlin, 25.05.2024, 12:59 Uhr
Presse-Ressort von: Axel Schmidt Bericht 2173x gelesen
Humboldt Forum im Berliner Schloss
Humboldt Forum im Berliner Schloss   Bild: © David von Becker

Berlin [ENA] Der Palast der Republik wurde vor 50 Jahren an dem Ort gebaut, an dem sich heute das Humboldt Forum befindet. Der Palast der Republik ist Gegenwart beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Palastes von den städtebaulichen Planungen über seine Nutzung bis hin zu Schlossplatzdebatte und Abriss.

Im Zentrum stehen Interviews aus dem Projekt Erinnerungsarbeit im Humboldt Forum mit sowohl prominenten wie bislang ungehörten Stimmen. Mit persönlichen Erinnerungen, besonderen Objekten und einem Blick auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen wird die Geschichte des Palastes zur Gegenwart. Die Ausstellung ist Teil des Jahresschwerpunktes zum Palast der Republik der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Das Programm umfasst vielfältige Veranstaltungen, Führungen und Workshops, das Theaterspektakel Bau auf! Bau ab! von Ron Zimmering ab dem 17. Mai, eine künstlerische Virtual Reality sowie spezielle Thementage u.a. mit einem Theaterstück von und mit Corinna Harfouch.

30 Jahre lang prägte der Palast der Republik das Zentrum Berlins. Er war von 1976 bis 1990 Sitz der Volkskammer und Ort der Repräsentation der DDR, aber auch eine Stätte der Alltagskultur mit modernem Design, Kunst, Theater und Diskothek, Restaurants und Cafés. Länger als in der DDR stand der Palast in der Bundesrepublik Deutschland: Viele Menschen erinnern sich bis heute begeistert an die kulturelle Zwischennutzung im entkernten Gebäude Anfang der 2000er Jahre. Ab 2006 erfolgte der durch den Bundestag beschlossene Abriss. Was für die einen die Befreiung von einem Repräsentationsbau des DDR-Unrechtsstaates war, empfanden andere als Auslöschung von Geschichte und Entwertung ostdeutscher Lebensleistung.

Heute befindet sich an dieser Stelle das Humboldt Forum. Der Palast ist jedoch in der Erinnerung vieler Menschen weiter präsent. Programm und Ausstellung laden dazu ein, sich mit den vielfältigen Erinnerungen an den Palast auseinanderzusetzen. Sie geht damit auch der Frage nach, warum der Palast der Republik abgerissen und an seiner Stelle das Humboldt Forum in der Anmutung des barocken Schlosses errichtet wurde – über der original erhaltenen Betonfundamentierung des Palastes. Feierlich eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 16. Mai, um 18 Uhr von Kulturstaatsministerin Claudia Roth: „Der ehemalige Palast der Republik ist ebenso untrennbar mit der wechselvollen Geschichte dieses Ortes verbunden wie das rekonstruierte Berliner Schloss.

Auch die Entstehung des Humboldt Forums selbst geht auf die Entscheidungen zum Rückbau des Palasts der Republik sowie zur Rekonstruktion des Berliner Schlosses zurück. Die Debatte darüber beschäftigt uns bis heute. Deshalb ist es gut und wichtig, dass das Humboldt Forum auch mit dieser Ausstellung einen Raum zur Auseinandersetzung mit der Geschichte dieses Ortes bietet.“ Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums: „Der Palast der Republik ist in seiner Geschichte und Symbolik ein gesamtdeutsches Thema. Als Stiftung Humboldt Forum fühlen wir uns für ihn und das, was die Menschen mit ihm verbinden, in besonderer Weise verantwortlich.

In der mehrjährigen Vorbereitung unseres Programmschwerpunktes haben wir in vielen Gesprächen erlebt, wie sehr die Erinnerungen an den Palast der Republik sowie die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen von 1989/90 ins Heute hineinwirken. Der Abriss des Palastes wurde zwar demokratisch entschieden, aber die Diskussion hierzu war damals sehr kontrovers – und der Abriss hat bei einigen Menschen auch Wunden gerissen. Unser Programm beschäftigt sich mit all den Themenaspekten und Emotionen, die mit dem Palast der Republik verbunden sind. Die unterschiedlichen, manchmal kontroversen Perspektiven von Zeitzeug*innen liefern wichtige Impulse für neue Sichtweisen und aktuelle Debatten, wie wir sie im Humboldt Forum führen wollen.

Wir freuen uns über die Diskurse, die unsere Ausstellung auslöst.“ Auf 1.300 Quadratmetern und mit etwa 300 Exponaten befasst sich die Ausstellung mit der Geschichte und Gegenwart des Palastes. Zu entdecken sind Objekte aus und zu dem Palast, Entwürfe, Modelle, Plakate und Fotografien, darunter Fragmente der Gläsernen Blume, das Gemälde Die Rote Fahne von Willi Sitte oder das Rednerpult aus der Volkskammer. Die Exponate stammen zu einem großen Teil aus Privatsammlungen und sind so erstmals öffentlich zu sehen.

Weitere 80 Objekte gehören zu den Sammlungsbeständen der Stiftung Humboldt Forum, die 2019 wesentliche Teile der Inneneinrichtung des Palastes von der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) übernommen hatte. Inzwischen ist die Sammlung insbesondere durch Schenkungen gewachsen. Ausschnitte aus rund 50 Audio- und Videointerviews aus dem Projekt Erinnerungsarbeit im Humboldt Forum stehen im Zentrum der Ausstellung und zeigen die Perspektiven von Menschen, die im Palast gearbeitet haben, die ihn besucht oder auch bewusst gemieden haben. Dabei kommen prominente und bislang ungehörte Stimmen zu Wort. Ihre Erzählungen, Emotionen und Deutungen zeigen, wie unterschiedlich der Palast erinnert wird.

Tobias Kruse, Fotograf der Agentur Ostkreuz, hat die Interviewten porträtiert. Private Erinnerungsstücke zeigen einen jeweils ganz subjektiven Blick. Im Rahmen des Jahresthemas erwartet Besucher*innen ein breites Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm. Performances, Filme, Theater, Konzerte, Führungen, Workshops, VR und Tischgespräche geben Gelegenheit, die verschiedenen Facetten des Palastes der Republik kennenzulernen. Das Themenwochenende Ohne Ende Palast am 15./16. Juni stellt Erinnerungen in den Vordergrund, u.a. mit Quartett. Material. Eine Erinnerung nach Heiner Müller von und mit Corinna Harfouch, Oscar Olivo u.a. Bei den Thementagen Transformiert Euch! (3.-6. Oktober) steht die Phase des Palastes nach 1989 im Mittelpunkt.

Publikation

Die Publikation Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart positioniert den Palast in den gegenwärtigen gesamtdeutschen Fragen um Repräsentation, Vielstimmigkeit und Teilhabe. Das Buch behandelt Aspekte wie Asbest, Ausverkauf, Baustellen, Erinnerung, Gläserne Blume, Kulturpaläste, Marx & Engels, Rekonstruktion, Solidaritätsbasare, Sowjetunion, Stasi, Volkskammer, Zweifel, Zwischennutzung und mehr. Es eröffnet neue Perspektiven durch künstlerische Positionen, Forschung sowie Erfahrungswissen. Mit Textbeiträgen u. a. von Victoria Helene Bergemann, Aron Boks, Gesine Danckwart, Hanno Hochmuth, Dagmar Hovestädt, Zsófia Kelm, Ilko-Sascha Kowalczuk.

Geschichte des Ortes im Humboldt Forum

Der Bereich Geschichte des Ortes hat seit Anfang 2014 Forschungen durchgeführt, Film-, Fernseh- und Fotomaterial erschlossen und digitalisiert, Objekte und Archivalien recherchiert und gesammelt, Ausstellungen und Veranstaltungen sowie Gespräche und Publikationen zum Palast der Republik verantwortet. Zwölf „Spuren“ mit Objekten oder Dokumenten zum Palast der Republik sind im Humboldt Forum dauerhaft installiert und können virtuell im Medienguide erkundet werden. Auch im Videopanorama spielt der Palast der Republik eine prominente Rolle. Informationen und Tickets: Tickets: 12/6 Euro humboldtforum.org/hin-und-weg-der-palast-der-republik-ist-gegenwart

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