Mittwoch, 13.05.2026 19:10 Uhr

Familie ist nie nur privat

Verantwortlicher Autor: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss Berlin, 04.12.2025, 12:10 Uhr
Presse-Ressort von: Axel Schmidt Bericht 4095x gelesen
Mom's Heaven, 2025
Mom's Heaven, 2025   Bild: © Leonard Suryajaya

Berlin [ENA] Zeitgenössische Künstler*innen und vier Hohenzollern-Kurfürstinnen schaffen im Humboldt Forum Räume für verdrängte FamiliengeschichWie können Fürsorge und Gemeinschaft jenseits normierter Familienbilder aussehen? Informationen: humboldtforum.org/zeitgenoessische-perspektiven

In drei neuen Ausstellungen An das wir uns festhalten, Sich verwandt machen und Alles unter dem Himmel eröffnen namhafte internationale zeitgenössische Künstler*innen wie Sunil Gupta, Haegue Yang, Jane Jin Kaisen u.a. im Ethnologischen Museum und im Museum für Asiatische Kunst neue Verhandlungsräume für Beziehung und Verwandtschaft. Auf der dritten Etage des Humboldt Forums ziehen vier historische Kurfürstinnen ein. Lebensgroße Bildnisse von vier Hohenzollerinnen aus verschiedenen Jahrhunderten werden den historischen Statuen der brandenburgischen Kurfürsten hinzugefügt, um die männerdominierte dynastische Selbstdarstellung aufzubrechen.

An das wir uns festhalten

3. OG, Raum 312. Laufzeit: Freitag, 28. November 2025–Montag, 3. August 2026. Die Ausstellung versammelt elf künstlerische Positionen, die sich mit Familie und Verbundenheit auseinandersetzen. Der Titel An das wir uns festhalten verweist auf die Realität queerer und migrantischer Erfahrungen. Fotografien, Videos und Installationen zeigen, wie vielfältig und widersprüchlich über Generationen, Grenzen und jenseits klassischer Familienbilder gelebt wird.

Time's Gravity, Meryl McMaster © Meryl McMaster

Die künstlerischen Beiträge erzählen von Nähe und Verlust, von Selbstbehauptung und Fürsorge, von Widerstand und Zugehörigkeit. Die Ausstellung macht erfahrbar, dass Familie nicht festgeschrieben ist. Sie wird abseits sozialer Strukturen oder politischer Absicherung für stabile Fundamente immer wieder als Möglichkeit, als Praxis, als gelebte Beziehung neu verhandelt. Kuration: Minh Duc Pham und Hai Nam Nguyen. Beteiligte Künstler*innen: George Demir, Sunil Gupta, Rana Nazzal Hamadeh, Nhu Xuan Hua, Iden Sungyoung Kim, Jaewon Kim, Cheryl Mukherji, Su-Ran Sichling, Leonard Suryajaya, Sarnt Utamachote und Vuth Lyno

Sich verwandt machen

3. OG, Raum 304. Laufzeit: Freitag, 28. November 2025–Montag, 3. August 2026.Die Ausstellung Sich verwandt machen versammelt Positionen von Künstlerinnen aus Kanada, Südkorea, Nigeria, Ghana, Myanmar, Deutschland, Estland, Usbekistan und den USA. Ihre unterschiedlichen Praktiken verbinden sich in dem Verständnis, dass wir alle in ein dynamisches Netz von Beziehungen eingewoben sind: mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen, Geistwesen, dem Kosmos – aber auch mit unserem Bürostuhl. Diese Weltsicht ist verknüpft mit Kritik an (kolonialen) Gewalt- und Ausbeutungsregimen sowie Staatsideologien, die Beziehungsvielfalt auf Kleinfamilienmodelle und starre Formen von Zugehörigkeit reduzieren wollen.

Dem Verlust von Verbindungen, Artenvielfalt, Sprachen, Ästhetiken und Wissen setzen die Künstlerinnen Widerständigkeit und das Erforschen an den Rand gedrängter Wissens- und Beziehungsformen entgegen. Beteiligte Künstlerinnen: Catherine Blackburn, Aziza Kadyri, Mae-ling Lokko, Meryl McMaster, Caroline Monnet, Katja Novitskova, Soe Yu Nwe, Odun Orimolade, Judith Raum, Cara Romero, Zina Saro-Wiwa, Haegue Yang. Kuration: Kerstin Pinther, Kuratorin für Moderne und Zeitgenössische Kunst im Globalen Kontext, und Ute Marxreiter, Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Bildung und Vermittlung, Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Alles unter dem Himmel. Harmonie in der Familie und im Staat

Wie tief greift der Staat in das private Leben ein? Im Fokus der Ausstellung steht das Spannungsverhältnis von Familie und Staat im 20. Jahrhundert in China und Korea – zwischen Ideologie, Fürsorge und Kontrolle. Gezeigt werden Fotografien des chinesischen Künstlers He Chongyue, die historische Propagandaparolen zur Ein-Kind-Politik in ländlichen Regionen sichtbar machen, neben eindrücklichen Positionen zur Adoptions- und Geschlechterpolitik in Süd- und Nordkorea aus der eigenen Sammlung. Ein zentrales Werk ist Family von Mao Tongqiang.

Die fotografische Serie veranschaulicht paradigmatisch den Wandel chinesischer Familienstrukturen: von der Produktionsgemeinschaft vergangener Zeiten hin zu konsumorientierten, mobilen und oft kleineren Haushalten. Jane Jin Kaisens poetisch-politische Videoarbeit The Woman, The Orphan, and The Tiger thematisiert transgenerationale Traumata koreanischer Frauen zwischen Kolonialherrschaft, Militärgewalt und transnationaler Adoption. Ein verwandtes Thema verhandelt Mirae Kate-Hers Rhee in einer eigens für die Ausstellung entwickelten Arbeit, in der sie autobiografisch ihre eigene Adoption aus Südkorea in die USA reflektiert.

Drucke von Siren Eun Young Jung hinterfragen tradierte Geschlechterrollen und eröffnen queere Perspektiven auf Erinnerung, Zugehörigkeit und Identität. Mit Arbeiten von: He Chongyue, Siren Eun Young Jung, Jane Jin Kaisen, Mirae Kate-Hers Rhee. Eine Ausstellung im Museum für Asiatische Kunst im Humboldt Forum. Kuratorin: Maria Sobotka, Co-Kuratorin: Lu Tian. Informationen unter: humboldtforum.org

Systemrelevant – Frauen in Herrscherfamilien

Geschichte des Ortes (3. OG, Treppenhalle). Laufzeit: Freitag, 28. November 2025 – Montag, 03. August 2026. Die Hohenzollern stehen exemplarisch für das dynastische Familienmodell, in dem Macht auf Gewohnheitsrecht beruht. Kurfürst Friedrich Wilhelm präsentierte Ende des 17. Jahrhunderts mit seiner Statuenreihe elf Generationen brandenburgischer Kurfürsten. Ausgeblendet ist dabei die Hälfte der Geschichte – denn die Frauen der Familie fehlen völlig. So blieb auch die internationale Vernetzung der Dynastie unsichtbar, denn die Kurfürstinnen stammten aus weit verzweigten Dynastien, pflegten und erweiterten diese Netzwerke aktiv.

Sophia von Brandenburg, Kurfürstin von Sachsen (1568 - 1622) © Stiftung Humboldt Forum

Für Beziehungsweise Familie werden nun vier Hohenzollerinnen aus verschiedenen Jahrhunderten den marmornen Kurfürsten hinzugefügt, um neue Perspektiven auf die Rolle von Frauen in Herrscherfamilien zu eröffnen: Anna (1487-1514), die Herzogin von Schleswig und Holstein wurde, Sophia (1568–1622), eine Kurfürstin von Sachsen, Sophie (1630–1714), die hochvernetzte Schwiegermutter des ersten preußischen Königs und Marie Auguste (1898–1983), die letzte dynastische Ehefrau der Hohenzollern.

Diese Intervention entstand im Rahmen des Verbundprojektes WIRKSAM - Frauennetzwerke der Hohenzollern, das in zehn verschiedenen Museen Deutschlands und Italiens beispielhaft Hohenzollern-Frauen in den Fokus rückt. Kurator*innen: Katja Gimpel, Dr. Alfred Hagemann, Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Geschichte des Ortes. Im Rahmen des Programms Beziehungsweise Familie. (Fast) jeder Mensch hat eine Familie – und jede ist anders. Eigentlich selbstverständlich! Wie vielfältig Familie tatsächlich gelebt wird, zeigt sich erst auf den zweiten Blick. Mit dem Jahresprogramm Beziehungsweise Familie setzen alle vier Akteure des Humboldt Forums zusammen mit internationalen Partner*innen erstmals im ganzen Haus ein Thema.

Die Ausstellung, zeitgenössischen Positionen und künstlerischen Interventionen in den Sammlungen befragen familiäre Beziehungsgeflechte der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Gesamtkuratorische Leitung: Laura Goldenbaum *** Ein Haus, vier Akteure: Die Vielstimmigkeit ist bereits in der Zusammenarbeit der Partner*innen angelegt. Im Humboldt Forum kooperieren die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Humboldt Labor sowie das Stadtmuseum Berlin mit der Berlin Ausstellung.

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