Samstag, 03.10.2026 08:26 Uhr

Globale Perspektiven auf Eigentum und Erbe

Verantwortlicher Autor: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss Berlin, 02.10.2026, 17:58 Uhr
Presse-Ressort von: Axel Schmidt Bericht 630x gelesen
Ausstellung "Togo: Neue Verbindungen knüpfen"
Ausstellung "Togo: Neue Verbindungen knüpfen"   Bild: © Jacques Do Kokou, Fusion, 2025

Berlin [ENA] Ein Eröffnungswochenende vom 27. bis 29. November 2026 mit Veranstaltungen, Führungen und drei neuen Ausstellungen, die mit Südamerika, Asien und Afrika verknüpft sind, bilden den Auftakt. Mein. Dein. Unser!? https://www.humboldtforum.org/de/programm

Mit dem neuen zweijährigen Programmschwerpunkt Mein. Dein. Unser!? widmen sich die vier Akteure des Humboldt Forums ab Ende November 2026 dem Natur- und Kulturerbe unserer Welt. Sie verhandeln dabei zentrale Fragen unserer Gegenwart: zu Besitzverhältnissen, Ressourcen, Formen des Zusammenlebens, Verantwortung, Vermächtnis und ihren Auswirkungen. Wem gehört die Welt, wem die Stadt, wem Wasser? Und was vererben wir denen, die kommen? Eigentum und Erbe prägen, wie Menschen leben, welche Zugänge zu Ressourcen sie haben und welche Zukunftsperspektiven sich ihnen eröffnen. In einer zunehmend polarisierten und von Verteilungskämpfen geprägten Welt gewinnt die Frage nach dem Umgang mit unserem Kultur- und Naturerbe an Dringlichkeit.

Wasser, Land, Wohnraum, finanzielle Mittel oder kulturelles Erbe sind weltweit ungleich verteilt und meist historisch gewachsen. Zugleich stehen Gesellschaften vor der Herausforderung, neu zu entscheiden, was bewahrt, was geteilt und was an kommende Generationen weitergegeben werden soll. In den kommenden zwei Jahren legen die Akteure des Humboldt Forums in Kooperation mit dem Goethe-Institut, der Global Cultural Assembly sowie weiteren Partner*innen in Berlin und weltweit den thematischen Fokus auf einen zentralen Aspekt des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Unterschiedliche Formate wie Ausstellungen, Performances, Workshops, Gespräche, Konferenzen und Führungen laden dazu ein.

Besitz, Erbe und Verantwortung

Der Titel Mein. Dein. Unser!? verweist auf die grundlegende Frage, wie Menschen Besitz, Verantwortung und Zugehörigkeit verstehen – die damit verbundenen Fragestellungen gehen uns daher alle an. Was als „mein“ gilt, was wir als „dein“ anerkennen und was wir als „unser“ gemeinsam teilen, ist weder selbstverständlich noch überall gleich. Vorstellungen von Eigentum, Gemeingütern und kulturellem Erbe unterscheiden sich zwischen Gesellschaften, sind mit Machtfragen verbunden und verändern sich im Laufe der Zeit. Der Programmschwerpunkt lädt dazu ein, diese Fragen neu zu betrachten und ihre Aktualität für unsere Gegenwart zu erkunden.

Bei Mein. Dein. Unser!? geht es z.B. konkret um Wasser als Quelle von Wissen, Spiritualität und Gemeinschaft in Brasilien, Chile und Kolumbien; um die enge Verbindung von Erde, biologischer Vielfalt und kultureller Identität in Costa Rica, die anhand präkolumbischer Objekte sichtbar wird; um den Umgang mit kolonialen Sammlungen aus Togo oder um Fragen kultureller Aneignung und Teilhabe, die sich in globalen Phänomenen der Popkultur spiegeln. Detaillierte Informationen über die einzelnen Projekte finden Sie weiter unten in der Pressemitteilung und unter humboldtforum.org.

Kollaborative, internationale Programmkuration

Mit den ethnologischen Sammlungen und der vielschichtigen Geschichte des Ortes bietet das Humboldt Forum einen besonderen Ausgangspunkt, um historische Verflechtungen und aktuelle Herausforderungen in einen größeren Zusammenhang zu stellen und über eine gemeinsame Zukunftsgestaltung ins Gespräch zu kommen. Nach dem Themenschwerpunkt Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss (2024) und dem akteursübergreifenden Programm Beziehungsweise Familie (2025) setzen die vier Akteure des Humboldt Forums mit Mein. Dein. Unser!? zu Eigentum und Erbe ihre gemeinsame Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Gegenwart fort.

Die enge Zusammenarbeit eröffnet neue Perspektiven auf die Sammlungen, Programme und Wissensbestände sowie die Geschichte des Ortes. So entstehen neue Zugänge zu gesellschaftlich relevanten Themen und eine museale Praxis, die über klassische Ausstellungsformate hinausweist und auf Austausch, Vielstimmigkeit und Partizipation setzt. Mein. Dein. Unser!? ist ein zweijähriger Programmschwerpunkt der Akteure des Humboldt Forums – der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst, dem Berlin Museum und der Humboldt-Universität zu Berlin.

No Fundo da Baía Moram Meus Ancestrais - @ Lucas Vaz

Zum Start des Programms findet vom 27.-29. November 2026 ein großes Eröffnungswochenende mit vielfältigen Veranstaltungen, Mitmachformaten, Führungen und der Eröffnung von drei Ausstellungen statt, die mit den Regionen Südamerika, Asien und Afrika verknüpft sind. Wie prägt Wasser das Zusammenleben von Menschen und Gemeinschaften? Wasser ist eine lebendige, spirituelle und politische Kraft: Die Ausstellung zeigt, wie Indigene und traditionelle Gemeinschaften in Südamerika mit Flüssen, Meeren und Regenzyklen verbunden sind – und wie sich in diesen Gewässern Spuren kolonialer Gewaltgeschichten, spiritueller Praktiken, technologischer Eingriffe und Zukunftsentwürfe einschreiben und überlagern.

Die Ausstellung vereint 20 zeitgenössische künstlerische Arbeiten aus Brasilien, Chile und Kolumbien und zeigt Wasser als Quelle von Wissen und Spiritualität. Zugleich thematisiert sie aktuelle Konflikte um Umwelt, Ressourcen und gesellschaftliche Teilhabe. Entstanden ist die Ausstellung in Ko-Kreation mit Künstler*innen, Kurator*innen, Indigenen Gruppen und traditionellen Gemeinschaften, basierend auf mehrjähriger intensiver Recherche in verschiedenen Regionen Brasiliens, Chiles und Kolumbiens.

Sie bietet eine multisensorische Besuchserfahrung mit u.a. einem interaktiven Kunstwerk, das die Materialität von Flüssen in die Ausstellung hineinträgt, und begehbaren Installationen, welche die Idee einer Fischfalle und eines Hauses der Fischwesen in multimediale Räume übersetzen und das Publikum in Bilder und Klänge der Guanabara-Bucht in Rio de Janeiro, Brasilien sowie aus dem kolumbianischen Amazonasgebiet eintauchen lassen. Eine Kooperation zwischen der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, dem Ethnologischen Museum – Staatliche Museen zu Berlin und den Goethe-Instituten in Bogotá, Rio de Janeiro, Santiago de Chile und São Paulo.

Auf den Spuren von Shiva. Zwischen Berlin und Kathmandu: 28. November 2026 bis 31. Oktober 2027. Der kupfervergoldete chaturmurkha Shiva Linga kosh hat einen langen Weg hinter sich: von einem Heiligtum in Kathmandu bis in die Sammlungen des Museums für Asiatische Kunst in Berlin. Wie verändert sich die Bedeutung dieses sakralen Objekts, wenn es seinen religiösen und kulturellen Kontext verlässt und Teil einer Museumssammlung wird? Dieser Frage geht das Film- und Forschungsprojekt des visuellen Anthropologen Deepak Tolange nach. Ausgehend von der Geschichte des Shiva Linga kosh verbindet die Präsentation historische Materialien mit dokumentarischen Filmaufnahmen zur heutigen Verehrung des Gottes Shiva in Nepal.

Zugleich folgt sie den Spuren des Objekts zwischen Kathmandu und Berlin und untersucht seine Herkunft und seinen Weg in die Museumssammlung. Dabei kommen auch Stimmen von Gläubigen, Wissenschaftler*innen und weiteren Beteiligten aus Nepal zu Wort. Ihre Perspektiven machen deutlich, welche Bedeutung sakrale Objekte für hinduistische Gemeinschaften bis heute haben und welche Folgen ihr Verlust für Nepal mit sich bringt. Zugleich fragt die Präsentation, welche Verantwortung Museen für Objekte tragen, die andernorts Teil gelebter religiöser Praxis sind. Eine Kooperation zwischen der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss und dem Museum für Asiatische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin.

Togo: Neue Verbindungen knüpfen

Die neue Dauerausstellung Togo: Neue Verbindungen knüpfen ist in Zusammenarbeit mit Forschenden und Künstler*innen aus Togo entstanden. Sie bringt historische Sammlungsbestände, zeitgenössische künstlerische Arbeiten und Provenienzforschung zusammen und macht dabei sowohl die Nachwirkungen der gemeinsamen Geschichte als auch die Potenziale für neue Beziehungen sichtbar. Die historischen Sammlungen aus Togo im Ethnologischen Museum sind umfangreich und eröffnen vielfältige Möglichkeiten für neue Interpretationen und Kontextualisierungen. Dieser Prozess wird maßgeblich durch die Zusammenarbeit mit Forschenden aus Togo ermöglicht.

Zugleich treten sechs künstlerische Perspektiven in einen Dialog mit der gemeinsamen Geschichte Togos und Deutschlands: Künstler*innen aus Togo und der Diaspora setzen sich in Skulpturen, Installationen, Fotografien und Performance mit dieser Geschichte auseinander. Togo: Neue Verbindungen knüpfen versteht sich als Einladung zur gemeinsamen Reflexion und Wissensproduktion und gibt Impulse für einen nachhaltigen und zukunftsorientierten Umgang mit den kolonialen Sammlungen aus Togo. Die kreative Arbeit gründet in einer langjährigen Zusammenarbeit im Rahmen von Das Kollaborative Museum (CoMuse), einer gemeinsamen Initiative des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst.

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