Donnerstag, 21.05.2026 19:53 Uhr

Miles Davis – eine Ikone wird 100. Ein Gruss zum 26.Mai

Verantwortlicher Autor: Prof Dr Peter Schroeder Bad Aibling, 21.05.2026, 09:37 Uhr
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 Eine Statue des legendären Jazztrompeters Miles Davis in seinem Geburtsort Alton, Illinois
Eine Statue des legendären Jazztrompeters Miles Davis in seinem Geburtsort Alton, Illinois  Bild: Shutterstock

Bad Aibling [ENA] „Eine Legende ist ein alter Mann mit einem Stock, der für das bekannt ist, was er früher getan hat. Ich mache das immer noch.“ Miles Davis machte diese Aussage 1985. Er war, selbst mit damaligen Maßstäben mit 60 nicht alt und statt einen Stock zu Hilfe zu nehmen, sass er lieber in seinem Ferrari.

Legendenstatus hatte er sicher schon mehr als zwei Jahrzehnte vorher errungen, als er im März und April 1959 in New York sein 22.Studioalbum „Kind of Blue“ einspielte, dass schliesslich und Jahre später bei Columbia Records mit 6 Millionen verkauften Einheiten nicht nur sein kommerziell erfolgreichstes Werk wurde, sondern auch das meistverkaufte Jazz-Album aller Zeiten.

Miles Dewey Davis III. wurde am 26.Mai 1926 in Alton, im US-amerikanischen Bundesstaat Illinois geboren. Den Start in seine unglaubliche Karriere schildert er so: „Das schönste Gefühl, das ich je in meinem Leben hatte – vollständig angezogen – war, als ich 1944 in St. Louis, Missouri, zum ersten Mal Diz und Bird zusammen hörte. Ich war achtzehn Jahre alt und hatte gerade meinen Abschluss an der Lincoln High School gemacht. Mann, das Konzert war so der Hammer, dass es schon beängstigend war. Ich meine, Dizzy Gillespie, Charlie ´Yardbird` Parker, .... und Art Blakey – alle zusammen in einer Band, ganz zu schweigen von B: Billy Eckstine höchstpersönlich. Das war der absolute Hammer. Mann, das Zeug ging mir richtig unter die Haut.

So, wie diese Band Musik gemacht hat – das war ALLES, was ich hören wollte. Das war der Hammer. Und ich da oben, wie ich mit ihnen gespielt habe.“ Tatsächlich konnte er während des Konzertes in St.Louis mit diesen Musikern zusammenspielen, folgte ihnen nach New York und wurde Mitglied in Charlie Parkers Quintett. Gleichzeitig schrieb er sich als Musikstudent an der New Yorker Juilliard School ein, wo er seiner weißen Lehrerin erklärte, dass ihre Ansicht, die Schwarzen (Originalzitat) den Blues spielten, weil sie arm seien und Baumwolle pflücken müssten, falsch sei. Er habe einen reichen Vater, der Zahnarzt sei und der nie Baumwolle hätte pflücken müssen. Er, Miles, sei morgens fröhlich aufgewacht und habe trotzdem einen Blues gespielt.

Der Blues begleitete Miles Davis während seines gesamten Schaffens. Seine Kraft gab dem Jazz mehrfach innovative Impulse. Ab 1948 ging er eigene Wege. Mit dem Arrangeur Gil Evans legte er den Grundstein für den Cool Jazz, um Wegbereiter des Modalen Jazz zu werden, der die Entwicklung des in den 1940er Jahren entstanden Bebop über den Cool Jazz der New Yorker Szene fortsetzte. „Milestones“ als seine erste modale Jazzkomposition bereitete den Weg für das oben erwähnte „Kind of Blue“. Seine Formationen hatten Anfangs Nonett-Charakter - das schliesslich 1957 veröffentlichte “Birth of the Cool“ fasst diese 1949 und 1950 entstandenen Aufnahmen zusammen. „Round About Midnight“ 1955 ist eine Dokumentation seines Quintetts mit John Coltrane.

Einen Meilenstein setzte Davis mit der Musik zu Louis Malles Film „Fahrstuhl zum Schafott“, die einen Trend zur Verwendung von Jazz-Soundtracks auslösten. Das Besondere an Miles Davis Vorgehensweise war, dass er den Film sah, sich Notizen machte und seine Band ohne Vorbereitung ins Studio brachte, die dann, während sie die Szenen sahen, spielten, wobei Davis seiner Band jeweils zwei Akkorde vorgab. Es gibt die Ansicht, dass die als Schallplatte veröffentlichte Filmmusik besser sei als der Film selbst.

Ein zweites Quintett entstand nach wechselnden Formation 1984 mit Wayne Shorter, Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams. James Brown ebenso wie Sly & Family Stone wurde ab Mitte der 1960er Jahre Wegbereiter von Funk, Soul sowie Rhythm and Blues. Miles Davis führte diese Ideen in den -elektrifizierten- Jazz ein und vor allem ist das Album „Bitches Brew“ Ausdruck diese Kombination Von Jazz, Funk und Rock. Das Album wurde tatsächlich mit 400.000 Einheiten zu der Zeit sein größter Erfolg, brachte ihm eine Goldene Schallplatte ein. Erst 1993 hatte „Kind of Blue“ „Bitches Brew“ einge- und überholt.

Ab 1975 (bis 1981) spielte Miles Davis nicht, zumindest nicht Trompete. Alkohol und Drogenkonsum spielten dabei eine entscheidende Rolle. Er heiratete, reduzierte seinen Drogenkonsum und veröffentlichte mit „The Man with the Horn“ ein Comeback-Album. Den ersten Grammy erhielt er für „We Want Miles“, einen dritten von insgesamt neun für sein erstes Album bei Warner Brothers „Tutu“. Ende der 1980 Jahre hatte er Auftritte mit der Band Toto, mit Prince und spielte eine Version von Zuccheros „Dune Mosse“ ein, die jedoch erst 15 Jahre später auf Zuccheros Album „Zu & Co“ veröffentlicht wurde.

1989 erschien seine gemeinsam mit dem amerikanischen Autor Quincy Troupe verfasste Autobiographie „Miles“. Zwei Jahre später, während einer Untersuchung in einer Klinik in Santa Monica erlitt Miles Davis einen schweren Schlaganfall und starb am 28.September 1991. Ein letzter Auftritt war der von Miles Davis mit Quincy Jones, dem Gil Evans Orchestra und der George Gruntz Concert Jazz Band beim Jazz Festival in Montreux im Juli 1991. Betrachtet man die wenigen Mitschnitte auf YouTube, sieht man einen dem Publikum zugewandten Miles Davis.

Seine Angewohnheit, auf vielen Konzerten mit dem Rücken zum Publikum zu spielen, war ein Vorwurf, der mit der Frage verbunden wurde, warum er überhaupt vor Publikum spiele. Quincy Troupe beschrieb in einem Interview zum Erscheinen der Autobiographie „Miles“ Miles Davis als „ein(en) sprunghafter(n) Kerl. In der einen Sekunde konnte er sehr charmant sein und es war schön, mit ihm zusammen zu sein, und in der nächsten Sekunde konnte er der gemeinste Kerl sein, der dir jemals über den Weg gelaufen ist […]. Ich habe es mit ihm erlebt.“ Die „The Rolling Stone Encyclopedia of Rock & Roll“ zitiert einen biographischen Beitrag von Jim Mcnie mit:

„Als Trompeter war Davis zwar alles andere als ein Virtuose, doch er glich seine technischen Einschränkungen aus, indem er seine Stärken in den Vordergrund stellte: sein Gespür für den Ensembleklang, seine einzigartige Phrasierung und seinen unverwechselbar zarten Ton. Er begann, sich vom rasanten Bop zu lösen und sich etwas Introspektiverem zuzuwenden. Seine Richtung wurde durch seine Zusammenarbeit mit Gil Evans bei den „Birth of the Cool“-Sessions 1949 und Anfang 1950 geprägt, bei denen er mit einer neunköpfigen Band spielte, zu der Max Roach, John Lewis, Lee Konitz und Gerry Mulligan gehörten, und die sich an die akribischen Arrangements von Evans, Mulligan, Lewis, Davis und Johnny Carisi hielt.“

Dagegen schrieb Richard Brody im Juli 2015 im „New Yorker“: „Die Größe großer Musiker liegt nicht nur in ihrer bloßen Spielkunst, sondern in ihrem selbstkritischen Schaffensprozess und ihrer emotionalen Offenheit – einer Selbstkritik, die umso kühner ist, wenn sie in der Öffentlichkeit, vor Publikum, stattfindet und nicht im Studio, wo Fehler einfach gelöscht oder in eine Schublade gesteckt werden können. Musik ist wie Sport; der improvisierende Musiker ist in der Öffentlichkeit einer besonderen Verletzlichkeit ausgesetzt, und einer der bedeutendsten Improvisatoren der Moderne, Miles Davis, erreichte bei Konzerten kühnere Höhen als im Studio. Viele seiner Konzertmitschnitte wurden offiziell veröffentlicht“.

Als Beispiel möge die ursprünglich auf 5000 LPs limitierten Miles Davis: The Complete Plugged Nickel Sessions dienen, die aktuell als acht CD- oder 10 LP-Set wieder erschienen sind. Dieser Beitrag stützt sich die Biographie von Quincy Troupe „Miles“ (Simon&Schuster 1990) und Artikel, erschienen in New Yorker, Rolling Stone, Jazz Echo und Jazz Podium

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